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Open Source in der öffentlichen Verwaltung: Warum Behörden jetzt umsteigen

Open Source in der öffentlichen Verwaltung: Warum Behörden jetzt umsteigen

24. März 2026
Michael Jefremow
5 Min. Lesezeit

Deutschland steht vor einem Wendepunkt in der öffentlichen IT. Was jahrelang diskutiert wurde, wird jetzt umgesetzt: Behörden, Kommunen und Landesverwaltungen steigen auf Open-Source-Software um. Weg von Microsoft, weg von US-Cloud-Abhängigkeit, hin zu digitaler Souveränität. Für Kommunen in Thüringen eröffnet das Chancen – aber auch Handlungsbedarf.

Was gerade passiert

Schleswig-Holstein macht den Anfang

Als erstes Bundesland hat Schleswig-Holstein beschlossen, seine gesamte Landesverwaltung von Microsoft-Produkten auf Open Source umzustellen. Das bedeutet:

  • 30.000 Arbeitsplätze migrieren von Windows auf Linux
  • Microsoft Office wird durch LibreOffice ersetzt
  • Microsoft Teams/Exchange weichen Open-Source-Alternativen
  • Die Migration läuft schrittweise über mehrere Jahre

Das ist kein Experiment – das ist eine politische Entscheidung mit konkreter Umsetzung.

openDesk: Die Microsoft-365-Alternative des Bundes

Das Zentrum für Digitale Souveränität (ZenDiS), eine GmbH des Bundes, entwickelt mit openDesk ein komplettes Open-Source-Arbeitsplatzpaket für die Verwaltung:

  • Nextcloud für Dateien und Zusammenarbeit
  • LibreOffice / Collabora Online für Dokumente
  • Open-Xchange für E-Mail und Kalender
  • Jitsi für Videokonferenzen
  • Element/Matrix für Messaging

openDesk soll die Standard-Arbeitsumgebung für Bundesbehörden werden – und steht auch Ländern und Kommunen zur Verfügung.

Gesetzliche Grundlagen

Das Onlinezugangsgesetz 2.0 (OZG 2.0) enthält ein "Open Source first"-Prinzip für die öffentliche IT-Beschaffung. Auch das Thüringer E-Government-Gesetz enthält eine Klausel, die Open Source bevorzugt. Das bedeutet: Bei gleichwertigen Lösungen soll die offene Variante gewählt werden.

Warum der Umstieg Sinn macht

Digitale Souveränität

Wenn eine Kommune Microsoft 365 nutzt, liegen die Daten auf Servern, die dem US Cloud Act unterliegen. US-Behörden können theoretisch Zugriff verlangen – auch auf Daten deutscher Bürger. Mit Open-Source-Lösungen auf eigenen Servern oder in deutschen Rechenzentren bleibt die Datenhoheit in Deutschland.

Kostenkontrolle

Microsoft-Lizenzen werden teurer. Die Kosten steigen mit jeder Vertragsverlängerung, und die Abhängigkeit (Vendor Lock-in) macht einen Wechsel immer schwieriger. Open-Source-Software hat keine Lizenzkosten pro Nutzer – die Investition fließt in Einrichtung und Betrieb statt in Lizenzen.

DSGVO-Compliance

Der Einsatz von US-Cloud-Diensten in der Verwaltung steht seit dem Schrems-II-Urteil auf wackligen rechtlichen Füßen. Mehrere Datenschutzbehörden haben den Einsatz von Microsoft 365 in Behörden als problematisch eingestuft. Mit selbst gehosteten Open-Source-Lösungen sind Kommunen auf der sicheren Seite.

Keine Abhängigkeit von einem Anbieter

Wenn Microsoft die Preise erhöht, Funktionen entfernt oder den Support einstellt, stehen Behörden mit dem Rücken zur Wand. Open-Source-Software kann von jedem Dienstleister betreut werden – der Wechsel des IT-Partners ist jederzeit möglich.

Was das für Kommunen in Thüringen bedeutet

Viele Kommunen in Thüringen stehen vor der Frage: Weiter mit Microsoft oder den Weg in Richtung Open Source gehen? Die Herausforderungen sind real:

  • Fehlendes Know-how: Die meisten Kommunen haben kein IT-Personal, das eine Migration durchführen kann
  • Angst vor Veränderung: "Das haben wir immer so gemacht" ist der größte Bremser
  • Kompatibilität: Fachverfahren, die nur unter Windows laufen, müssen berücksichtigt werden
  • Schulungsbedarf: Mitarbeiter müssen an neue Software gewöhnt werden

Diese Herausforderungen sind lösbar – mit dem richtigen Partner an der Seite.

Sie möchten das für Ihr Unternehmen umsetzen?

Wir beraten Sie kostenlos und unverbindlich – persönlich in Erfurt oder per Videocall.

Konkrete Open-Source-Lösungen für Kommunen

Bisherige LösungOpen-Source-AlternativeVorteil
Microsoft 365 / ExchangeNextcloud + Collabora Online + Open-XchangeVolle Datenhoheit, keine Lizenzkosten
Microsoft TeamsJitsi Meet oder BigBlueButtonDSGVO-konform, selbst gehostet
WindowsLinux (Ubuntu, Debian)Keine Lizenzkosten, langfristiger Support
Microsoft OfficeLibreOfficeKostenlos, offene Formate
Dropbox / OneDriveNextcloudDateien bleiben in Deutschland
WhatsApp (intern)Element / MatrixVerschlüsselt, DSGVO-konform

So kann ein schrittweiser Umstieg aussehen

Eine komplette Migration muss nicht auf einen Schlag passieren. Sinnvoller ist ein schrittweiser Ansatz:

Phase 1: Dateiaustausch und Cloud

Nextcloud als zentrale Plattform für Dateien, Kalender und Kontakte einführen. Das lässt sich parallel zu bestehenden Microsoft-Produkten betreiben.

Phase 2: E-Mail und Kommunikation

Schrittweise Migration von Exchange auf eine offene E-Mail-Lösung. Einführung von Jitsi oder BigBlueButton für Videokonferenzen.

Phase 3: Office-Anwendungen

LibreOffice als Standard für neue Dokumente. Bestehende Vorlagen und Makros werden angepasst.

Phase 4: Betriebssystem

Wo möglich, Arbeitsplätze auf Linux umstellen. Spezielle Fachverfahren können über Virtualisierung oder Web-Anwendungen weiter genutzt werden.

Unterstützung für Kommunen in Thüringen

Als IT-Dienstleister in Erfurt unterstütze ich Kommunen und öffentliche Einrichtungen in Thüringen bei der Einführung von Open-Source-Lösungen:

  • Bestandsaufnahme: Welche Software wird aktuell genutzt? Was kann ersetzt werden?
  • Konzeption: Individueller Migrationsplan, der zu Ihrer Kommune passt
  • Umsetzung: Nextcloud-Hosting, LibreOffice-Rollout, E-Mail-Migration
  • Schulung: Praxisnahe Einweisung für Mitarbeiter
  • Laufende Betreuung: Managed Services für den Betrieb der neuen Lösung

FAQ

Ist Open Source wirklich reif für den Einsatz in Behörden?

Ja. Nextcloud wird bereits von der Bundescloud (ITZBund) eingesetzt, LibreOffice ist in vielen europäischen Verwaltungen Standard, und Linux betreibt die überwiegende Mehrheit aller Server weltweit. Die Software ist ausgereift und wird professionell weiterentwickelt.

Müssen wir komplett auf Microsoft verzichten?

Nein. Ein hybrider Ansatz ist möglich und oft sinnvoll. Viele Kommunen starten mit Nextcloud für Dateien und behalten vorerst Outlook für E-Mails. Der Umstieg kann schrittweise erfolgen.

Wer kümmert sich um Updates und Wartung?

Wie bei jeder IT-Lösung brauchen Open-Source-Systeme professionelle Betreuung. Als Managed-Service-Provider übernehme ich Updates, Backups, Monitoring und Support – so wie bei jeder anderen Infrastruktur auch.

Gibt es Fördermittel für den Umstieg auf Open Source?

In Thüringen können innovative IT-Investitionen über Programme wie "InnoInvest" der Thüringer Aufbaubank gefördert werden. Ob Ihr Vorhaben förderfähig ist, klären wir gerne in einem kostenlosen Beratungsgespräch.

Wie lange dauert eine Migration?

Das hängt von der Größe der Kommune und dem Umfang ab. Eine Nextcloud-Einführung kann in wenigen Wochen umgesetzt werden, eine vollständige Migration des Arbeitsplatzes dauert typischerweise mehrere Monate und erfolgt schrittweise.

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